Geschichte(n) rund um Todenroth

 

Hier finden Sie in loser Folge Berichte und Geschichte rund um Todenroth, die z.B. keinen oder nur in abgewandelter Form Platz in der Chronik gefunden haben.

 

 

In den Unterlagen der Gemeindeverwaltung fand sich folgender Aufsatz:

 

Die Kirche in Todenroth

 

I. Zeitgeschehen und Anlass zum Bau der Kirche

 

Um der Entstehung des an sich noch jungen Kirchenbauwerks auf dem Todenrother „Hasenberg“ in den Jahren 1895-96 auf den Grund zu gehen, muss man sich der Ober Kostenzer Kirchenchronik bedienen und dabei in die Zeit des 16. Jahrhunderts zurückblättern.

 

Die bis in die heutige Zeit reichende Verbundenheit der evangelischen Kirchen-gemeinden Ober Kostenz und Metzenhausen mit Todenroth und Kludenbach geht schon daraus hervor, dass Ober Kostenz als damalige Kapellgemeinde von Kirchberg 1598 bereits den 2. Oder 3. Pfarrer gehabt hat, der in Ober Kostenz auch die Kinder aus Metzenhausen, Todenroth und Kludenbach unterrichtet hat. Metzenhausen war damals ebenfalls Kapellgemeinde von Kirchberg, hatte aber keinen eigenen Pfarrer.

 

Die politischen Verhältnisse hatten sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts wie folgt entwickelt. Nachdem 1598 die Herzöge von Simmern ausgestorben waren, wurde die Hinterlassenschaft von den Kurfürsten der Pfalz angetreten. Die Umgegend von Simmern kam zur Pfalz und die Bereiche von Kastellaun, Kirchberg, Dill und Gemünden wurden gemeinsam von den pfälzischen Kurfürsten und den Mark-grafen von Baden regiert. Der Kurfürst der Pfalz, der zu der Zeit die Herrschaft hatte, als der Hunsrück zur Pfalz kam, war Friedrich der IV. (1592-1610). Er ist dadurch besonders bekannt, dass er in seinem Herrschaftsgebiet das bestehende Luthertum in den evangelischen Kirchen abschaffte und mit Gewalt das reformierte Bekenntnis einführte. Der damalige Pfarrer von Ober Kostenz namens Liernius wurde unter Friedrich IV. seines Amtes enthoben, weil er den zwangsweisen Übertritt vom Lutherischen zum reformierten Bekenntnis verweigert hatte.

 

Der 30 jährige krieg hatte begonnen und nach der verlorenen“ Schlacht am weißen Berge“ im Jahre 1620 besetzten die Spanier und Ligisten die Pfalz, zu der auch der Hunsrück gehörte. Die evangelischen Fürsten setzen der Gewalt kaum Widerstand entgegen, Städte  und Dörfer ergaben sich freiwillig in die Hände der Spanier, die recht grausam verfuhren. Die Evangelischen wurden gezwungen, ihren Glauben aufzugeben und katholisch zu werden. Die evangelischen Pfarrer wurden verjagt und  katholische Pfarrer an deren Stelle eingesetzt. Auch in der Pfarrei Ober Kostenz wurde ein katholischer Pfarrer namens Mathis  Grahs (1621-31) eingesetzt.

 

Gustav Adolf von Schweden vertrieb 1631 in schnellem Vorstoß die Spanier wieder von den Bergen des Hunsrücks, aber die Zeit  besserte sich kaum. Die Menschen konnten zwar wieder ihren früheren Glauben annehmen, aber die leibliche Not wurde immer schlimmer, von allem als die Schweden wieder abzogen und der Hunsrück Tummelplatz der verschiedensten Völker wurde. Diese kümmerten sich nicht mehr um die Religion, sondern plünderten und raubten im Land. Die Soldaten verwilderten und benahmen sich wie Tiere. Nicht nur, dass sie Saaten vernichteten, auch Mord und Todschlag  griff um sich. Dazu kam die Pest und Hungersnot ins Land, die Tausende dahinrafften, am schlimmsten in den Jahren 1635-1638. Ganze Dörfer sind in dieser Zeit der Not ausgestorben. In Metzenhausen blieben nur noch wenige Personen am Leben. Auch die Pfarrei Ober Kostenz, damals größer als heute, berichtet nach dem Krieg von  nur 4 Geburten im Jahr. Die  Nachbardörfer „Selz“,  im heutigen Gemarkungsteil  „Sülzerbach“ - Todenroth, „Mörschberg“  bei Kappel, „Ruchenhausen“- zwischen Kludenbach und dem verschwundenen „Mörschberg“ starben aus.

 

Dass die kirchlichen Verhältnisse darnieder lagen war kein Wunder. Die meisten Pfarreien waren verwaist. In Ober Kostenz überlebte jedoch ein Pfarrer Spengler (1631-1648) den Krieg. Er war der Nachfolger des eingesetzten katholischen Pfarrers Mathias Grahs, musste aber kurz vor Kriegsende die Pfarrei verlassen, weil er da selbst seinen Unterhalt nicht mehr bestreiten konnte.

 

Der Wiederaufbau nach 1848 hatte sich unter den Pfälzern schneller vollzogen, als m an nach der schrecklichen Zeit des Krieges erwarten konnte. Nach 12 Jahren stand alles wieder in voller Blüte. Hände  und Wände vollzogen sich besser denn zuvor. Die Lage der Bauern besserte sich. Die Frondienste und Lehnsverhältnisse wurden teils aufgehoben oder gelindert. Politisch änderte sich jedoch nicht viel. Die Pfarreien  Ober Kostenz  und Metzenhausen blieben badisch und gleichzeitig kurpfälzisch. Da viele Pfarreien verwaist waren und zudem großer Pfarrermangel bestand, war die pfarramtliche Verbindung von Gemeinden notwendig geworden. So wurde auch 1652 die Pfarrei Ober Kostenz mit Würrich verbunden (ein Vorgang, der sich im Jahre 1974 wiederholte). Unter Pfarrer Jakob Cramer (1652- 58) und Pfarrer Heinrich Mohr (1658-60) dauerte diese pfarramtliche Verbindung mit Würrich, bis 1661 unter Pfarrer Samuel Haignet (1661-72) diese wieder gelöst wurde und Ober Kostenz mit der 2. Pfarrstelle von Kirchberg verbunden wurde. Erst unter Pfarrer Succius (1672-78) wurde Ober Kostenz  wieder selbständige Pfarrei, zu der nun auch Metzenhausen mit Todenroth und Kludenbach gehörten. Die Kirchengemeinde Ober Kostenz wäre glücklich, wenn sich dieser Vorgang in den nächsten Jahren einmal wiederholen würde.

 

Es sollte nicht lange Frieden sein. Unter Ludwig XIV, von Frankreich, dem ehrgeizigen, landsüchtigen und grausamen König, ähnlich wie später Napoleon I., brach 1674 der Krieg gegen den deutschen Kaiser Leopold aus. Da die Pfalz den Franzosen am nächsten lag, so wurde der Hunsrück am ersten darin verwickelt. Daß die Pfarrei Ober Kostenz nicht verschont blieb, geht aus einer Notiz des Pfarrers Succius von 1674 hervor, der berichtet, daß die Franzosen die Kirchenbücher vernichteten und ein neues Kirchenbuch angelegt werden mußte.

 

In einem weiteren Krieg mit Frankreich (1688-97), dem pfälzischen Erbfolgekrieg wird die Pfalz abermals von französischen Truppen besetzt und dabei verwüstet. 1200 Dörfer und Städte standen auf der Liste des französischen Feldherrns, die abgebrannt werden sollten. Auch Simmern, Kastellaun und Kirchberg gingen in Flammen auf. In dieser Zeit wurden unter der Franzosenherrschaft die Rechte zur Mitbenutzung der evangelischen Kirchen durch die Katholiken begründet. Ludwig XIV. ist also der Urheber der zahlreichen Simultankirchen in der einstigen Pfalz. 1689 wurde in der evangelischen Kirche zu Metzenhausen das Chor vom Schiff getrennt und im Chor der katholische Altar aufgestellt. Die Evangelischen durften nur das Schiff benutzen. Zwei Jahre später wurde auch in Ober Kostenz in der Kirche der katholische Altar aufgebaut, obwohl in Ober Kostenz nur ein einziger Katholik wohnte.

 

Das nach dem 30-jährigen Krieg bis auf wenige Personen ausgestorbene Dorf Metzenhausen wurde, wie viele Dörfer in der einstigen Pfalz von den Franzosen mit Fremden bevölkert und ist damit ganz katholisch geworden. Die Pfarrgemeinde Metzenhausen bestand also nur noch aus den Evangelischen aus Todenroth und Kludenbach, die den beschwerlichen Weg in die Metzenhausener Kirche hatten.

 

Zum Andenken an Ihren katholischen Beschützer, Ludwig XIV., feierten die Metzenhausener ihre Kirchweihe unter dem Namen „Ludwigsfest“. Die misslichen Verhältnisse des Kirchenbesuches der Todenrother und Kludenbacher gehen aus folgender Notiz hervor: „…die Evangelischen aus Todenroth und Cludenbach besuchen nämlich die jenseits des ganz katholischen Dorfes Metzenhausen gelegene Simultankirche, von der sie nur das kleine, unschöne und feuchte Schiff benutzen dürfen. Ist dieses Verhältnis schon an und für sich sehr misslich, so ist es (besonders bei schlechtem Wetter) noch misslicher dadurch, dass vor Beginn des Gottesdienstes die Gemeinde auf den Pfarrer oder der Pfarrer auf die Gemeinde im freien warten muss.“

 

Den Frieden von Rijswijk im Jahre 1697 und damit die Befreiung aus der französischen Herrschaft erlebte Pfarrer Dilg (1695-1710) der aus Altweidelbach (Dilger Mühle) stammte. Die Simultanrechte der Kirchen blieben bestehen. Es trat eine lange Zeit des Friedens ein, der, mit Ausnahme von 1734, bis zur französischen Revolution andauerte.

 

Im Jahre 1708 trat das politische Ereignis ein, dass die frühere Grafschaft Sponheim ganz badisch wurde, während sie bisher pfälzisch und zugleich badisch regiert wurde. Da einige badische Markgrafen selbst katholisch waren, blieben die Simultankirchen auch weiter bestehen.

 

1817 einigten sich Lutheraner und Reformierte zur Union, die auch in den Gemeinden Ober Kostenz und Metzenhausen, wie in den meisten Gemeinden des Hunsrücks, ohne Störung des kirchlichen und religiösen Lebens in voller Ordnung vor sich ging.

Hatte schon Napoleon I. durch Einziehung der großen Kirchengüter und Aufhebung der ausgearteten Klosterwirtschaft viel zur Befreiung der Bauern beigetragen, so geschah dies noch mehr, als die Preußen regierten. Freiherr von Stein hob die Lehnsverhältnisse der Bauern restlos auf und gab damit den Bauern die lange ersehnte Freiheit.

 

1846-60 in der Zeit der Auswanderungen vom Hunsrück, verließen auch aus der Pfarrei Ober Kostenz und Metzenhausen 15 Familien, ohne die Alleinstehenden, ihre Dörfer um in den südamerikanischen Erdteil überzusiedeln.

Viele Wege und Straßen sind in diesen und folgenden Jahren verfestigt worden.  Ein Zeichen der festen Verbundenheit der beiden Gemeinden ist die Tatsache, das zu dem Gehalt des Pfarrers Stiepel (1862-72) die Gemeinde Ober Kostenz 100,- Mark und die Gemeinde Metzenhausen 50,- Mark beisteuern mussten. Aus dem Deutsch-Französischen-Krieg (1870-71) kamen alle Kriegsteilnehmer der beiden Gemeinden ohne Verwundungen zurück. In Versaille  erfolgte die Kaiserproklamation Wilhelm I. und die Gründung des Deutschen Reiches.

 

Im Jahre 1892 fasste Pfarrer Müller (1887-95), der aus Ohlweiler stammte, den Plan, das Simultaneum in der Kirche zu Metzenhausen aufzulösen und in Todenroth einen Betsaal zu bauen. Ein folgender Zeitungsausschnitt gibt hierüber Aufschluss:

 

„Die evangelische Gemeinde hat darum am 28. August 1892 einstimmig die Lösung des Simultaneums und den Neubau eines Betsaales in Todenroth beschlossen, so dass in Zukunft auch die Cludenbacher einen bedeutend näheren Weg zur Kirche haben und in einem eigenen Gotteshause, bei ihren eigenen Glaubensgenossen sich erbauen können. Da die katholische Gemeinde eine Abfindungssumme von 600,- Mark zahlt, die evangelische Gemeinde einen ihren Verhältnissen entsprechenden Beitrag und Spanndienste zu  leisten bewilligt hat, auch eine Kirchenkollekte und eine Gabe vom evangelischen Oberkirchenrat in sicherer Aussicht stehen, so ist durch die große Gabe von 3000,- Mark die Bausumme gesichert. Es wird deshalb schon im Frühjahr 1895 der Neubau des Betsaales begonnen und im Jahre 1896 vollendet sein, so dass dann also wieder eins der unseligen Simultanverhältnisse aus der Welt geschafft sein wird. Was der Ablösung des Simultaneums einen ganz besonderen Wert verleiht, ist der Umstand, dass, wie gesagt, dieselbe beschlossen wurde mit voller Einstimmigkeit nicht der Repräsentation, sondern der stimmfähigen Gemeindeglieder, die in großer Mehrzahl der Verhandlung beiwohnten.“

 

Viele und schwierige Verhandlungen hat es gegeben, bis der Standort im Todenrother „Hasenberg“, einem Steinbruchgelände im Talhang zwischen Kludenbach und Todenroth feststand. Das Grundbuch auf dem die Kirche heute noch steht ist im Grundbuch noch unter dem Namen

 

„Evangelische Kirchengemeinde Metzenhausen“

 

eingetragen. Die Grundbuchänderung ist beantragt, weil laut Urkunde der Evangelischen Kirche im Rheinland – Landeskirchenamt – vom 18. März 1976 die beiden Gemeinden zu einer Kirchengemeinde verschmolzen. Die Dörfer Ober Kostenz, Schwarzen, Todenroth, Kludenbach und Metzenhausen gehören mit ihren evangelischen Gemeindemitgliedern zu der einen Gemeinde, die den Namen „Evangelische Kirchengemeinde Ober Kostenz“ trägt.

 

Oberkostenz, den 16.01.1981

 

Giesen, Kirchmeister

 

Anmerkung der Redaktion:

 

Teil II des Aufsatzes, welcher sich mit dem Bau und den späteren Renovierungen der Todenrother Kirche beschäftigt, wird zu einem späteren Zeitpunkt hier veröffentlicht.

 

 

1927 - Eine Hochzeit in Todenroth

 

Wie der angefügten Postkarte aus dem Jahre 1927 zu entnehmen ist, fand im Jahre 1927 im heutigen Anwesen Hauptstr. 11 eine Hochzeit statt.

Bemerkenswert, dass es schon damals möglich war, Postkarten mit eigenen Motiven zu erstellen.

 

 

Eine weitere Postkarte zeigt das ganze Anwesen von der Vorderseite. Der Stall steht noch heute, das Haus wurde um 1965 abgerissen, nachdem direkt dahinter ein neues Haus gebaut worden war.

 

Das untergegangene Dorf Silz (Bericht von H. Schirmer)

 

Etwa 2 km nord – westlich der Ortslage Todenroth (siehe auch Karte unter Apetitthappen 3. aus der Chronik) gab es im heutigen Waldgebiet eine weitere Ansiedlung mit dem Namen Silz. Dieser Ort wurde 1330 erstmals in einem Sponheimischen Register erwähnt.

Auch Todenroth wurde erstmals in dem bereits genannten Register im Jahre 1310 genannt.

 

Ab  dem Jahr 1680 gab es von Silz keine weiteren Eintragungen.

 

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Silz von Todenrother Einwohnern während des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648 ) gegründet wurde, um den marodierenden Soldaten und der Pest zu entkommen.

Dies ist offensichtlich so nicht richtig, da Silz etwa 350 Jahre zusammen mit Todenroth / Metzenhausen existierte.

Da Todenroth und Metzenhausen zusammen eine Doppelgemeinde bildeten und erst 1794 getrennt wurden, sind in den bekannten Archiven keine Hinweise auf eine Umsiedlung nach Silz  bekannt.

 

Wohin die ehemaligen Bewohner von Silz nach 1680 zogen ist nicht bekannt.

 

Es gab im näheren Umkreis von Todenroth viele aufgegebene  Siedlungen.

 

Nach E. Hardt, Königlicher Landrat in Simmern, gab es im damaligen Landkreis 37 Siedlungen, die aufgegeben wurden.

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